Vicky – schmerzfrei dank Ernährungsberatung
Obwohl sie sich ausgewogen ernährt und gut schläft, fühlt sich die 13- jährige Vicky oft abgeschlagen. Zudem ist Vicky leicht übergewichtig. Ab und zu rumort es nach den Mahlzeiten in ihrem Bauch – darauf folgt unangenehmes Bauchweh.
Der Hausarzt stellt Eisenmangel fest und führt dies auf Vickys fleischfreie Ernährung zurück. Und auch Bauchschmerzen und die Abgeschlagenheit könnten in der Pubertät vorkommen, so seine Erklärung. Als deren Ursache zieht er psychische Probleme in Betracht und verordnet Vicky Psychotherapie.
Die Ursache ihrer Beschwerden
Zwei Jahre ist Vicky in Behandlung. Besser geht es ihr leider nicht. Denn Vickys gesundheitliche Probleme sind nicht psychischer, sondern tatsächlich körperlicher Natur. Nach einem erneuten Besuch beim Hausarzt überweist dieser Vicky an einen Magendarmspezialisten. Dieser schafft mit speziellen Untersuchungen Klarheit und stellt fest: Es ist Zöliakie – auch als Glutenunverträglichkeit bekannt.
«Jahrelang habe ich mich immer wieder unwohl und kränklich gefühlt nach dem Essen. Für mich ist es eine grosse Erleichterung zu wissen, was mit mir los ist. Die Ernährungsberatung hat mein Leben so verbessert. Am Anfang war es ungewohnt, aber mittlerweile habe ich mich an die glutenfreie Ernährung gewöhnt und probiere mit meiner Schwester auch gerne neue Rezepte aus», erzählt Vicky.
Die Diagnose: Erleichterung und viele Fragezeichen
Da Vicky keine «klassischen» Zöliakie-Symptome wie Wachstumsstillstand, Blähbauch, Durchfall oder Untergewicht hat, bleibt ihre Erkrankung so lange unentdeckt. Umso wichtiger ist es, dass die Jugendliche ab dem Befund so schnell wie möglich ihre Ernährung umstellt. Denn sonst kann ihr Körper langfristig wichtige Nährstoffe nicht aufnehmen und es kann zu Mangelerscheinungen kommen. Gerade für Kinder und Jugendliche, die sich noch im Wachstum befinden, kann es zu schweren gesundheitlichen Folgen wie Hautausschlag, Bewegungs- und Gangstörungen, Zittern, Gleichgewichtsstörung und langfristig sogar zu Knochenabbau kommen.
Um dies zu verhindern, sollten sich Zöliakie-Betroffene lebenslang glutenfrei ernähren. Die Ernährungsberaterin am Ostschweizer Kinderspital erklärt Vicky und ihren Eltern zunächst, welche Lebensmittel, wie z.B. Brot und Pasta, Gluten (Kleber-Eiweiss) enthalten – oftmals nicht offensichtlich. Die Eltern fragen verunsichert: «Was kann Vicky denn überhaupt noch essen?» Die Ernährungsberaterin beruhigt sie. Für die meisten Nahrungsmittel gibt es heutzutage glutenfreie Ersatzprodukte.
«Es ist wichtig, dass Menschen mit Zöliakie auf glutenfreie Ernährung umstellen. Nur dann kann sich die Dünndarmschleimhaut vollständig erholen. Bei der Begleitung braucht es viel Feingefühl und Unterstützung. Wir gehen auf die Betroffenen ein und finden praxisnahe, individuelle Lösungen. Denn jede Familie hat andere Essgewohnheiten.»