Allergologie und klinische Immunologie
Als Kompetenzzentrum für Kinderallergologie bieten wir eine umfassende Abklärung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit allergischen Erkrankungen und Störungen des Immunsystems. Auf Grundlage eines ausführlichen Gespräches und gezielter diagnostischer Untersuchungen entwickeln wir individuelle Therapieempfehlungen. Diese reicht von beobachtendem Zuwarten über medikamentöse Behandlungen bis hin zu spezialisierten Therapieverfahren wie die allergenspezifische Immuntherapien, z. B. bei Nahrungsmittelallergien und inhalativen Allergien sowie immunmodulierenden Behandlungen.
Dr. med. Marco Fischer
Oberarzt mbF
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Facharzt für Allergologie und klinische Immunologie
Dr. med. Kristina Heye
Oberärztin
Oberärztin Kinder-&Jugendmedizin / OAA Allergologie
Leistungsangebot Allergologie
Nahrungsmittelallergien betreffen etwa 5–10 % der Kinder. Am häufigsten sind Allergien auf Kuhmilch und Hühnerei. Diese haben in der Regel eine gute Prognose und mehr als 80 % der betroffenen Kinder entwickeln bis zum Schulalter eine Toleranz. Allergien auf Erdnüsse und Baumnüsse bleiben hingegen häufiger bestehen und ein spontanes Verschwinden wird nur bei etwa 10–30 % der Betroffenen beobachtet. Zu Abklärungen werden Hauttestungen (Pricktest) und Blutuntersuchungen genutzt, wobei ein auffälliges Resultat nicht immer eine Allergie bedeutet. Die wichtigste Massnahme bleibt weiterhin das Meiden des auslösenden Lebensmittels und stetige Mittragen eines Notfallsets. In der Sprechstunde erfolgt die Vermittlung von Strategien zur Allergenvermeidung und Schulung eines Notfallmanagements bei Anaphylaxie. In unserem spezialisierten Zentrum bieten wir Immuntherapien an, bei der unter ärztlicher Kontrolle eine schrittweise Gewöhnung an das Allergen erfolgen kann. Diese Therapie kann die Sicherheit im Alltag erhöhen und die Toleranzentwicklung unterstützen.
Nahrungsmittelallergien entstehen durch ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren. Allgemeine Empfehlungen zur Prävention sehen eine vielfältige (v.a. regionale) Ernährung vor, einschliesslich der frühen Einführung potentiell allergener Lebensmittel wie Kuhmilch (verarbeitete Form z.B. in Gebäck, Jogurt), gekochtem Ei oder Erdnuss (in Alters-gerechter Form z.B. als Mus) im ersten Lebensjahr. Stillen wird, wenn möglich, in den ersten Lebensmonaten empfohlen, ohne Auslassdiät der Kindsmutter. Eine rauchfreie Umgebung, ein diverser Kontakt mit der Umwelt sowie das Vermeiden unnötiger Diäten tragen ebenfalls zur Allergieprävention bei.
Allergische Reaktionen auf Medikamente können grundsätzlich in zwei Hauptformen eingeteilt werden: Soforttyp-Reaktionen (Auftreten innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden) und Spättyp-Reaktionen (Auftreten innert Stunden bis Tagen). Zur Abklärung einer vermuteten Medikamentenallergie stehen Hauttestungen (Pricktest resp. Patchtest) oder Bluttests (zelluläre Testungen) wie beispielsweise der Basophilen-Aktivierungstest (BAT) für Soforttyp-Reaktionen oder der Lymphozytentransformationstest (LTT) für Spättyp-Reaktionen zur Verfügung. In ausgewählten Fällen erfolgt zur definitiven Klärung eine kontrollierte Medikamentenverabreichung (sogenannte Provokation) unter ärztlicher Überwachung. Nach erfolgter Abklärung wird ein Medikamentenpass ausgestellt.
Stiche von Bienen oder Wespen verursachen meist nur eine lokale Schwellung und Schmerzen. Bei etwa 1–3 % der Kinder kommt es jedoch zu einer allergischen Reaktion, die meist innerhalb von Minuten nach dem Stich auftreten. Die Abklärung erfolgt mittels Anamnese und Bluttest. Bei Patientinnen und Patienten mit einer systemischen Reaktion kann eine spezifische Immuntherapie mit Insektengift durchgeführt werden. Diese reduziert das Risiko einer erneuten schweren Reaktion bei einem Stich auf über 90 %.
Die allergische Rhinokonjunktivitis ist eine der häufigsten allergischen Erkrankungen bei Kindern. Typische Beschwerden sind Niesen, laufende oder verstopfte Nase, Mundatmung, Juckreiz der Nase sowie juckende und tränende Augen. Die Beschwerden treten nach Kontakt auf, beispielsweise saisonal während der Pollenzeit. Häufigste Allergene hierzulande sind die frühblühenden beheimateten Bäume und Gräserpollen, aber zunehmend auch Kräuterpollen und Neophyten. Bei Tierhaarallergien oder Hausstaubmilbenallergie können die Beschwerden ganzjährig bestehen. Die Abklärung erfolgt anhand eines ausführlichen Gespräches (LINK Beschwerdetagebuch aha! Allergiezentrum Schweiz - aha!shop) über die Beschwerden und gezielter Hauttest (Pricktest), Bluttest oder Schleimhautprovokation. Zur Behandlung gehören die Allergenvermeidung, antiallergische Medikamente sowie bei geeigneten Patienten/Innen eine spezifische Immuntherapie (als Tablette oder Injektionstherapie).
Die atopische Dermatitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit Hautbarrierestörung, die häufig bereits im Säuglings- und Kindesalter beginnt. Sie betrifft bis zu 20 % der Kinder und etwa 8 % der Erwachsenen. Typisch ist ein schubweiser Verlauf mit trockenen, geröteten Hautstellen und starkem Juckreiz, was sich bei Säuglingen als ausgeprägte Unruhe zeigen kann. Die Hand ist sehr sensibel und Ekzeme können (müssen aber nicht) durch Kontakt mit Seife, Chlor oder Kontakt mit Nahrungsmittel u.a. mit hohem Säuregehalt getriggert werden. Der wichtigste Teil der Behandlung ist eine konsequente Hautpflege (Basistherapie) sowie eine lokale antientzündliche Therapie während Krankheitsschüben. Bei schwereren oder unzureichend kontrollierten Verläufen können Lichttherapie oder systemische Therapien wie Biologika eingesetzt werden.
Die Urtikaria ist eine häufige Hauterkrankung mit juckenden Quaddeln (Nesseln) und teilweise Schwellungen der Haut oder Schleimhäute (Angioödemen). Die akute Form mit einer Dauer < 6 Wochen ist eine häufige Erkrankung. Bis zu 20 % der Bevölkerung erlebt mindestens einmal im Leben eine akute Urtikaria, häufig im Zusammenhang mit Infekten. Davon abzugrenzen ist die chronische Urtikaria mit einer Dauer ≥ 6 Wochen. Die chronische Urtikaria betrifft dagegen nur ungefähr 0,5–1 % der Bevölkerung und häufig kann keine Ursache gefunden werden. Dennoch ist eine Abklärung bei chronischer Urtikaria empfohlen. Die Behandlung erfolgt zunächst mit nicht-sedierenden Antihistaminika (Tropfen oder Tabletten). Wenn die Beschwerden damit nicht ausreichend kontrolliert werden können, stehen Biologika als wirksame Behandlungsoption zur Verfügung.
Ein Angioödem ist eine plötzlich auftretende Schwellung der tieferen Haut- oder Schleimhautschichten. Sie zeigt sich häufig im Bereich von Lippen, Augenlidern, Gesicht oder Händen. Im Rahmen der Abklärung untersuchen wir ob es im Rahmen einer chronischen Urtikaria (Nesselfieber, siehe oben) oder Allergie auftritt (sog. Histamin-vermitteltes Angioödem) oder ein Bradykinin-vermitteltes Angioödem im Rahmen Medikamenteneinnahme oder hereditärem Angioödem (HAE) vorliegt. Letzteres ist eine seltene genetische Erkrankung mit wiederkehrenden Schwellungsattacken der Haut, Atemwege oder innerer Organe. Die Beschwerden sprechen nicht auf Antihistaminika an und erfordern spezifische Therapien. Die Diagnose erfolgt anhand des Gespräches und sowie spezieller Blutuntersuchungen.
Diagnostisches Leistungsspektrum Allergologie
- Allergietests (Hauttestungen, Labordiagnostik, sowie zellulären Testungen wie BAT und LTT in Zusammenarbeit mit Partnerlabor)
- Provokationen mit Nahrungsmittel und Medikamenten
- Genetische Abklärungen
- Spirometrie, Messung des Stickstoffmonoxids (NO) in der Ausatmungsluft
- Spezifische Immuntherapien:
- Orale Immuntherapie bei Nahrungsmittelallergien
- Spezifische Immuntherapien bei Bienen- und Wespengiftallergien bzw. inhalativen Allergien (Pollen, Hausstaubmilben)
Zusätzlich besteht eine Spezialsprechstunden für Kinder und Jugendliche mit
- Ekzemen/atopischer Dermatitis
Team
Oberärztin
Dr. med. Kristina Heye
Oberärztin Kinder-&Jugendmedizin / OAA Allergologie
Oberarzt mbF
Dr. med. Marco Fischer
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Facharzt für Allergologie und klinische Immunologie
Weitere Fachpersonen
Ernährungsberatung
Jennifer Leithäuser, Michael Jäggi
Lungenfunktion
Helen Hollenstein, Noemie Egger, Theres Roth, Gabriela Weber
Pflege
Caroline Schmalzer, Carmen Rutz-Scherrer, Jael Angele
Pflegeexpertin Haut
Regula Scheiwiller-Künzle
Kontakt
Sekretariat
Christine Baumgartner